Der Kirchenvorstand hat erneut das Thema des nächtlichen Glockenschlages besprochen. Dabei kamen zunächst Grundfragen zur Sprache: Welchen Einfluss dürfen Einzelstimmen gegenüber einer großen Mehrheit haben? Wie wichtig ist der Glockenschlag als Tradition – und welche Gefühle löst es aus, wenn Traditionen aufgegeben werden, obwohl eine Mehrheit an ihnen festhalten mag?
Uns erreichten unter anderem die Unterschriftenliste und Kommentare auf der Internetseite. In der Zeitung gab es einen Leserbrief. Auch in persönlichen Gesprächen konnten wir Hintergründe zur Meinung in der Gemeinde erfahren. Daher wurde beschlossen:
Die Testphase geht vorerst weiter. Für eine endgültige Entscheidung fehlen wichtige Informationen. So gibt es zwar Gerichtsurteile, die den nächtlichen Glockenschlag ausdrücklich erlauben (auch wenn Grenzwerte punktuell überschritten werden); doch ob die Situation dort konkret mit der bei uns übereinstimmt, ist nicht bekannt – aber nunmal entscheidend, auch wenn im Moment keine Klage im Raum steht.
Die Unterschriftenliste ist mit über 100 Einträgen zwar gut gefüllt, doch ergaben persönliche Gespräche: Nicht alle wussten beim Unterschreiben, worum es genau ging. Da war auch vom vollständigen Ende des Zeitschlags oder dem Ende des Glockenläutens die Rede. Beides stimmt nicht. Außerdem bedeutet Demokratie auch, dass beide Seiten die Möglichkeit dazu bekommen müssen, Unterstützung zu sammeln. Eine öffentlichen Abstimmung über den nächtlichen Zeitschlag wäre eine denkbare Möglichkeit.
Der Antragsteller hat u.a. auf seine gesundheitliche Situation verwiesen; doch wie die genau aussieht und ob es außer dem Abstellen der Glocken nicht auch noch andere Möglichkeiten zur Nachtruhe gibt, wäre für eine Abwägung von Einzelbedürfnis und Gemeinschaftswunsch wichtig zu wissen. Ein Kompromiss zwischen „Glockenschlag wie tagsüber“ und „kein Glockenschlag“ wäre auch ein gedämpfter Glockenschlag zur Nachtzeit. Auch hierfür wird der Kirchenvorstand prüfen, ob das realistisch umgesetzt werden kann. Hier ist der Plan, bis zum Oktober eine provisorische Dämpfung einzubauen, um eine zweite Testphase mit leiserem Schlag zu ermöglichen (was es im Übrigen in ähnlicher Form in Kammerstein auch schon gab).
Die Kritik der schlechten Information wurde ebenfalls aufgegriffen: Die Rückmeldungen zum abgeschalteten Glockenschlag haben auch gezeigt: Häufig war das Fehlen des Schlags erst aufgefallen, nachdem man davon erfahren hatte. Ganz so falsch lagen wir mit unserem Versuch, das Problem „geräuschlos“ zu lösen also tatsächlich nicht. Nichtsdestotrotz ist dieser Ansatz nun abgeschlossen. Aktuelle Informationen gibt’s ab sofort regelmäßig im Rahmen der Abkündigungen in den Gottesdiensten; auf der Homepage informieren wir über die nächsten größeren Schritte. Im nächsten Gemeindebrief wird’s dann noch ein paar Hintergründe dazu geben.