weniger Bürokratie dank Luther

Mit Luther „Weniger Bürokratie wagen“ – das war das Thema des Reformationstags in Kammerstein. „Es liegt nicht nur an den Verwaltungen, daß es immer mehr Bürokratie gibt,“, so Pfarrer Stefan Merz. „Wir alle tragen schon auch selbst unseren Teil dazu bei.“ Wer nach Unglücksfällen immer nach Verantwortlichen fragt, dürfe sich nicht wundern, wenn die Auflagen, Zertifikate und Fachkundenachweise immer umfangreicher werden. Wo mündliche Verbote und Schilder möglichst umgangen werden, werden wir immer mehr Zäune und Mauern erleben. Und solange wir immer nach Schlupflöchern in Regeln suchen, um möglichst viel für uns rauszuholen, obwohl wir wissen, dass es so nicht gemeint war, da sorgen wir selbst dafür, dass Regeln und Vorschriften immer umfangreicher und erdrückender werden.
Um zu erkennen, dass ein wenig mehr Luther in uns allen hier Abhilfe schaffen würde, war die Gemeinde während der Festpredigt zu einem Blick in Luthers „Kleinen Katechismus“ eingeladen. Wo die 10 Gebote knapp „Tu das nicht“, „lass jenes bleiben“ formulieren, ging Luther konsequent zwei Schritte weiter. Nicht nur „nicht falsch Zeugnis reden“ – nein! Sprich gut über deine Nächsten und entschuldige sie, formulierte der Reformator beispielsweise schon vor 500 Jahren – als ob er geahnt hätte, welche Auswüchse die sogenannten sozialen Medien noch nehmen würden. Nicht bloß „nicht töten“, sondern vielmehr „einander beistehen“. Noch einmal Pfarrer Stefan Merz: „Dem Luther ging’s ned drum, möglichst viele Schlupflöcher zu stopfen. Er wollte, dass wir miteinander und in Ehrfurcht vor Gott leben, und nicht jeder bloß für sich selbst.“
Am Ende der Predigt stand der Traum von einer Gesellschaft, in der die Menschen eben nicht nur nach dem Fragen, was ihnen selbst gefällt. Eine Gesellschaft, in der das „WIR“ im Mittelpunkt steht, weil wir auf Gott schauen und nicht auf den persönlichen Vorteil – das würde dem Sinn der 10 Gebote entsprechen, und es würde uns allen guttun.
Für den passenden Rahmen des Gottesdienstes sorgte unser Posaunenchor und Beate Adolphi an der Orgel – sowie Süßes und Saures am Ausgang an der Kirchentüre.

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